Rau, urtümlich, gefährlich

 

 

 

"Faszination Moor“: 31.01.2018

 

S-Moor

 

Das war der Titel für eine Bilder-Show, der Erwartungen weckte. Die zahlreichen Besucher in der Fladunger Tourist-Information wurden nicht enttäuscht. Als Landschaftsfotograf Jürgen Holzhausen seine rund 250 Bilder vom Schwarzen Moor gezeigt hatte, hatte sich auch seine Hingerissenheit von dieser urtümlichen, ganz anderen Landschaft auf die Besucher übertragen. Das lag an Bildern von einer Schönheit, an denen man sich nicht sattsehen konnte.

Der Saal war brechend voll am Mittwoch. Etliche Stühle mussten zusätzlich herbeigekarrt werden, bevor Fladungens Bürgermeisterin Agathe Heuser-Panten die Besucher begrüßen und den Fotografen Holzhausen vorstellen konnte. Seit seiner Kindheit sei er ein Frühaufsteher und Naturbeobachter, sagte er. Sein Großvater habe ihm die Augen für die Schönheit der Landschaft, ihrer Tiere und Pflanzen geöffnet.

Von Beruf war er eigentlich Feinmechaniker. Allerdings engagierte er sich viele Jahre bei Bergwacht, Vogelschutz und Naturschutz. Im Naturschutzinformationszentrum Lange Rhön, im Biosphärenreservat Rhön sowie im Naturwachtverband Deutschlands hat er in entscheidenden Positionen – auch hauptberuflich – mitgearbeitet.

Jetzt befindet er sich im Ruhestand. Aber für die Rhön, ihre Moore und für die Vermittlung der Kunst der Landschaftsfotografie ist er immer noch tätig. Er wohnt in Weimarschmieden.

spende

Jürgen Holzhausen (rechts) bat um Unterstützung für die Weimarschmiedener Dorfkirche.
Über die Spenden freuten sich auch Bürgermeisterin Agathe Heuser-Panten und Frank Michalowski. Foto:Fred Rautenberg

 

Weil die Renovierung der kleinen Dorfkirche viel Geld kostet, bat er die Besucher um eine Spende. Eintrittsgeld hatte Holzhausen nicht verlangt. Am Ende kamen 405 Euro zusammen, wie er mit Freude konstatierte.

Bei der Aufbereitung der Bilder zu einer Dia-Show hatte ihm Frank Michalowski geholfen, die zum Vortrag eingespielte Musik übernahm er von Frank Tischer. Die Bildmotive folgten dem Verlauf der Jahreszeiten, sagte Holzhausen einleitend. Weitgehend ließ er die Naturaufnahmen für sich selbst sprechen. Gelegentliche Informationen zum Moor, seinen Tieren und Pflanzen waren willkommene Ergänzungen. Die Sage von dem im Moor versunkenen Dorf erzählte er und die Besucher erfuhren, dass das Schwarze Moor ein Relikt der letzten Eiszeit und über zehntausend Jahre alt ist.

Holzhausen teilte mit, welche besondere Herausforderungen mit der Naturfotografie verbunden sind. Unendliche Geduld müsse er oft aufbringen, bis eine Aufnahme so gelingt, wie er es sich vorstellt. Manchmal müsse er spontan reagieren, zum Beispiel wenn ihm plötzlich ein Fuchs oder ein Wildschwein gegenüberstehen. Einmal, erzählte Holzhausen, geriet er sogar in Lebensgefahr. Er war über ein zugefrorenes Moorauge geglitten und dabei bis zum Hals eingebrochen. Mühsam konnte er sich aus dem Wasser retten. In tropfnassen Kleidern eilte er über zweieinhalb Kilometer zum Auto zurück. Die Kleider waren in wenigen Minuten steinhart gefroren und er selbst massiv unterkühlt.

Bilder vom Moor nahm Holzhausen zu jeder Jahres- und Tageszeit auf. Doch der Morgendämmerung gehört seine besondere Zuneigung. So fing er Szenen mit diffusem Licht ein, mit von der tief stehenden Sonne rot eingefärbten Nebelschleiern, mit rosarot überzogenen Wolken – immer auch im Kontrast mit der Dunkelheit und im Kontrast der Farben. Diese glühten vor allem rot, aber auch blau, weiß, gelb und grün mit berauschender Intensität.

Sie gaben den Moorszenen, der ganzen Moorlandschaft Leben von fremdartiger Schönheit. Sie rückten vor allem Details von Moorkiefern und Birken bis hin zu kleinen Blüten und einzelnen Insekten nach vorne. Spinnennetze, Blätter und Moorgräser mit glänzenden Wassertropfen hoben sie in den Vordergrund und offenbarten, welche Schönheit die Natur auch im Kleinsten geschaffen hat.

 

 

Nachtrag zum Vortrag

Die Resonanz war riesig, einhundertzwanzig Gäste. Einige haben stehend 75 Minuten durchgehalten.
Keiner von der Kirchenverwaltung oder -vorstand, kein/e Mitarbeiter/in des Naturparks, des Biosphärenreservats, kein Schutzgebietsbetreuer oder Landschaftsführer hatte Zeit.

Macht aber nix!!!

 
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